Die SZ erinnert an den Schrat.

20 Nov

Mensch, danke, SZ! Die Süddeutsche Zeitung philosphiert heute über den Schrat. Unter der Überschrift “Ein Männlein steht im Walde” ruft Kurt Kister  ein grünes Identitätsmerkmal in Erinnerung: den Schrat.

Der Schrat ein “Langhaariger” – auch so ein schönes Wort, das kaum mehr jemand benutzt. Aber der Schrat ist mehr. Er trägt einen Bart wie ihn die Indie-Rocker in 2013 tragen werden. Der Schrat hat was vom Waldschrat. Catweazle war auch ein Schrat. Der Kollege hat alles zu diesem Phänomen gesagt, so dass ich nur wärmstens die Lektüre dieser Edelfeder empfehlen kann. Was soll ich dem noch hinzufügen? Höchstens vielleicht, um Euch noch ein wenig anzufüttern, ein Zitat:

“Je höher mancher Schrat (übrigens ein geschlechtsneutraler Ausdruck) stieg, desto heftiger distanzierte er sich vom Schrattum. Andere aber blieben sich und dem Wald in sich treu. An der Spitze der Grünen kommen sie – ein schönes Verb für einen Schrat – gar nicht mehr vor. Auf Parteitagen aber sieht man sie immer noch in relativ großer Zahl, was die Schratforscher sehr freut.”

Doch! Eines fällt mir noch ein: Es gibt so einen Schrat in meiner unmittelbaren Nachbarschaft in Kreuzberg. Er hat Nähen zur SED-Nachfolgepartei, bürstet sein Schrathaar aufs heftigste, so dass es fällt wie das von Barbie. Sein Haupthaar ist allerdings grau, obschon es sich in den Spitzen nach außen wölbt. Der Rest des Schrats erinnert weniger an Barbie. Seine Schrat-Rundungen sind eher die des Buckels. Er fährt ein osteuropäisches Auto; für einen Volvo reicht es wohl nicht. Er ist sehr sicher Lehrer oder Sozialarbeiter. Ich sehe den Schrat zirka alle acht Wochen. Das macht mir schlechte Laune und ist nicht gut für mich – deswegen kehre ich lieber zurück zur SZ und empfehle nochmals die Lektüre.

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Wie hießen diese Dinger? Nicht Pril-Blumen, sondern…?

23 Okt

Sachdienliche Hinweise nimmt jede Dienststelle im Sendegebiet entgegen…

Ich weiß wirklich nicht mehr, wo wir diese Dinger her bekamen? Waren die ein Give Away? Gab es die in so was wie Schokoladen-Eier? Oder kauften die Eltern die als Kinderspielzeug?

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Gabelfüßler, Pflastertreter, Sterbenswörtchen

14 Okt

Alles schon mal da gewesen. Und ich dachte, ich wäre originell.

Nun sammele ich hier seit einigen Wochen Wörter, die zu verschwinden scheinen. Da weist mich @pixelwild darauf hin, dass das “eine schöne idee” sei – aber eine “fortsetzung”. Es war natürlich schon mal jemand unterwegs “auf der Suche nach dem verlorenen Wort”.

Da hat jemand eine Bachelorarbeit geschrieben über “Kleine Schätze unserer Sprache”.

Auch hier geht es um verschwundene Kostbarkeiten.

Soll ich mich entmutigen lassen, dies hier hübsch einschlafen lassen? Oder weiter machen, wenn mir was ein- und auffällt?

Wortknorpel und Denksalat bei #Dietmar_Dath

12 Okt

In den 70er Jahren da gab es für mich nichts Schlimmeres als den Knorpel. Also, den Knorpel, auf den man biss. Ich habe an den Knorpel seit Jahren nicht gedacht – und auch nicht an das Phänomen. Mir scheint, die Fleisch-Produzenten haben den Knorpel weggemendelt. Wo ist der Knorpel geblieben?Früher war alles schlechter.

Als ich gerade Dietmar Daths neuestes Werk las, da fiel er mir wieder ein: der Knorpel. Dath schreibt in “Eisenmäuse” auf Seite 11 über Botho Strauß und dessen “Wortknorpel und Denksalat”. Ich möchte mich nun weder literarkritisch über Herrn Strauß oder Herrn Dath äußern.

Was ich mit diesem schlanken Eintrag möchte:

a) Euch ermuntern, Dietmar Dath: Eisenmäuse zu bestellen! Es kostet nur schlanke 4,90 € oder so. Ist bei Hablizel erschienen in der Reihe “Small parts isolated and enjoyed”, von der noch in Jahrzehnten die Rede sein wird. Die Büchlein sind ungefähr 8 mal 8 cm groß – und sehr, sehr leicht! Ideal für einen von Knorpeln oder Wortknorpeln gepeinigten Körper, der schwere Bücher oder iPads nicht mehr tragen kann.

b) mich an den Knorpeln erinnern, dieses verschwindende Elend! Als Kind verstummte ich, wenn ich auf einen Knorpel stieß. Meine Eltern und Bruder bekamen Lachkrämpfe, weil sie spürten, wie der Würgereiz in mir aufstieg. Dann musste ich schweigend, mit Tränen in den Augen zum Klo rennen. Das letzte Mal passierte mir das in den ausgehenden 80er Jahren in Münster. Ich sehe noch den Tisch in der Mensa am Aasee vor mir, an dem mich der Knorpel ereilte. Es war recht weit zur Toilette. Heute quälen mich vor allem Wortknorpel. Dann würgt es im Kopf.

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Erika und die Wegzehrung

2 Okt

Totgesagte leben länger. Die Erika war so was von tot. Die brauchte niemand mehr totzusagen. In Kreuzberg lebt sie wieder auf: im Nest, einem Lokal, das große Freude macht. Ein Topf Erika neben dem anderen aufgereiht auf der Theke – das hat was.

Darüber auf einem Bildschirm: Köche tun das, was Köche tun müssen: kochen. Im ersten Moment scheint es, als sei dies eine Live-Übertragung in die reale Küche des “Nest”s.

Nun, aber was ich eigentlich erzählen wollte: Seit mindestens Jahrzehnten habe ich nicht mehr an die Erika gedacht, wenngleich dieser Blumenname gar wunderbar tönt. Mehr dazu – und auch warum mir plötzlich das Wort Wegzehrung durchs Hirn schoss – gibt’s hier.

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Blusong aka Blouson

24 Sep

Heute war definitiv der letzte Tag für den Blouson. Ist zwar kein extrem deutsches Wort, aber man erinnere sich an die Sprechweise: Blusong. Synonym für Übergangsjacke – vgl. unten. Da schlich sich also ein französisches Wort in den deutschen Mief der 70er Jahre ein, wurde assimiliert und fristete dann ein Dasein in Pubertistenhirnen, denen die Eltern empfahlen: “Junge, kauf Dir doch mal einen ordentlichen Blouson!” Dass ich mir rund ein Vierteljahrhundert später in New York eine Jacke gekauft habe, die vom Schnitt her durchaus an einen Blusong erinnert, wird meinen Vater, Gott hab ihn selig, wohl in alle Ewigkeit schmunzeln lassen. (Brooklyn Industries heißt das Label, und die machen nicht nur Blousons. Ihr Logo ist ein gesticktes Motiv. Und zwar dies, mit dem ich allen Übergangsjacken die Ehre erweise:

Kurzweil contra Langweil, langweilen contra kurzweilen

21 Sep

Wenn sich Menschen langweilen, warum können sie nicht kurzweilen? Das lässt die deutsche Sprache nicht zu. Und wenn Kurzweil geht, auch so ein schönes fast vergessenes Wort, warum dann nicht Langweil? Hier die Antworten:

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