Mensch, danke, SZ! Die Süddeutsche Zeitung philosphiert heute über den Schrat. Unter der Überschrift “Ein Männlein steht im Walde” ruft Kurt Kister ein grünes Identitätsmerkmal in Erinnerung: den Schrat.
Der Schrat ein “Langhaariger” – auch so ein schönes Wort, das kaum mehr jemand benutzt. Aber der Schrat ist mehr. Er trägt einen Bart wie ihn die Indie-Rocker in 2013 tragen werden. Der Schrat hat was vom Waldschrat. Catweazle war auch ein Schrat. Der Kollege hat alles zu diesem Phänomen gesagt, so dass ich nur wärmstens die Lektüre dieser Edelfeder empfehlen kann. Was soll ich dem noch hinzufügen? Höchstens vielleicht, um Euch noch ein wenig anzufüttern, ein Zitat:
“Je höher mancher Schrat (übrigens ein geschlechtsneutraler Ausdruck) stieg, desto heftiger distanzierte er sich vom Schrattum. Andere aber blieben sich und dem Wald in sich treu. An der Spitze der Grünen kommen sie – ein schönes Verb für einen Schrat – gar nicht mehr vor. Auf Parteitagen aber sieht man sie immer noch in relativ großer Zahl, was die Schratforscher sehr freut.”
Doch! Eines fällt mir noch ein: Es gibt so einen Schrat in meiner unmittelbaren Nachbarschaft in Kreuzberg. Er hat Nähen zur SED-Nachfolgepartei, bürstet sein Schrathaar aufs heftigste, so dass es fällt wie das von Barbie. Sein Haupthaar ist allerdings grau, obschon es sich in den Spitzen nach außen wölbt. Der Rest des Schrats erinnert weniger an Barbie. Seine Schrat-Rundungen sind eher die des Buckels. Er fährt ein osteuropäisches Auto; für einen Volvo reicht es wohl nicht. Er ist sehr sicher Lehrer oder Sozialarbeiter. Ich sehe den Schrat zirka alle acht Wochen. Das macht mir schlechte Laune und ist nicht gut für mich – deswegen kehre ich lieber zurück zur SZ und empfehle nochmals die Lektüre.



